CSU ist aktiv gegen den drohenden Hausärztemangel

Unbenadnnt

Dr. Wolfgang Krämer (stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender), Dr. Helga Mohrmann (Kreisvorsitzende des gesundheitspolitischen Arbeitskreises) und CSU-Kreisvorsitzende Michaela Kaniber.

 

BERCHTESGADENER LAND. Momentan ist die Lage im Berchtesgadener Land noch gut: Patienten werden vom Hausarzt relativ schnell versorgt. Allerdings droht sich die Lage zu verschlechtern. Die Situation und geplante Maßnahmen hat jüngst der Vorstand des CSU-Kreisverbands Berchtesgadener Land zur Sprache gebracht. Kreisvorsitzende und Stimmkreisabgeordnete Michaela Kaniber berichtete vom Engagement der CSU, eine Landarztquote in Bayern einzuführen. Das Thema werde im Landtag vehement vorangetrieben. „Uns ist bewusst, dass uns die Wucht voll treffen kann, deswegen lassen wir keine Bemühung aus, um einen Hausärztemangel zu verhindern", so die Abgeordnete.

 

Ausgangslage ist die Tatsache, dass mehr als ein Drittel der bayerischen Hausärzte in den nächsten acht Jahren in den Ruhestand gehen und es kaum Nachfolger gibt. Es gelte, die ärztliche Versorgung auf dem Land auch in Zukunft zu sichern, sagt Kaniber. Aktuell liegen den Ministerien 24 Anträge der CSU-Fraktion vor, die alle darauf abzielen, dem Hausärztemangel vorzubeugen. So fordert die CSU, medizinische Lehrstühle an allen Universitäten einzurichten und das Fach „Allgemeinmedizin" innerhalb des Studiums stärker zu berücksichtigen. Ein großes Augenmerk wird auf die finanzielle Unterstützung der Weiterbildungsverbünde gelegt. Auch eine Erhöhung des Stipendiums ist vorgesehen, für Medizinstudenten, die sich verpflichten, nach ihrem Studium eine bestimmte Zeit als Landarzt tätig zu werden. Außerdem sind Informationskampagnen bei der Landesärztekammer vorgesehen, die über die Möglichkeiten des Quereinstiegs von Fachärzten in die Allgemeinmedizin informieren und eine Imagekampagne für den Beruf des Hausarztes. Der bekannteste Antrag ist bereits durch die Medien gegangen: die Einführung der Landarztquote. „Die Landarztquote sieht vor, bis zu fünf Prozent der Studienplätze - bis zu 100 in Bayern - an angehende Landärzte zu vergeben", berichtete Kaniber aus dem Landtag.

 

Die Ursachen, durch die mit einem bevorstehenden Hausärztemangel zu rechnen ist, erläuterte Dr. Helga Mohrmann der Kreisvorstandschaft. Die Kreisvorsitzende des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises zeigte den Werdegang eines angehenden Mediziners vom Studenten bis zum niedergelassenen Arzt auf. „Die Ausbildungszeit ist mit etwa zehn Jahren sehr lang und der Anreiz, sich nach der Ausbildung als Allgemeinmediziner niederzulassen ist eher gering." Junge Mediziner würden heutzutage sehr auf eine Balance zwischen Leben und Arbeit achten, so Dr. Mohrmann. „Hausarzt zu sein, erfordert ein gewisses Maß an Idealismus."

Entgegenwirken könne man mit einem Auswahlverfahren, das im Zuge der Landarztquote eingeführt werden soll: Angehende Mediziner, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung für mehrere Jahre als Landarzt zu arbeiten, profitieren von erleichterten Zugangsmöglichkeiten zur Uni. Bei der Vergabe von Studienplätzen sollen unter anderem auch soziale Komponenten berücksichtigt werden. „Ich unterstütze die Möglichkeit der Landarztquote. Wir müssen jetzt anfangen, die Weichen zu stellen."

 

Den Weiterbildungsverbund zum Erwerb des Facharztes für Allgemeinmedizin stellte Dr. Helga Mohrmann in diesem Zug ebenfalls vor. Dieser wurde kürzlich zwischen der Kliniken Südostbayern AG und in den Hausarztpraxen tätigen Fachärzten des Berchtesgadener Landes geschlossen und zielt ebenfalls darauf ab, dem drohenden Hausärztemangel zu begegnen, indem die fünfjährige Ausbildung zum Allgemeinmediziner garantiert wird. Dr. Wolfgang Krämer, Vertreter der CSU Kreistagsfraktion in der Gesundheitsregion plus, ergänzte, dass diese seit längerem bestehende Forderung wesentlich durch den konstruktiven Austausch innerhalb der Gesundheitsregion vorangetrieben werden konnte.

 

Und damit Hausärzte nicht rund um die Uhr im Dienst sein müssen, wurde Anfang März durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern der Bereitschaftsdienst reformiert und eine Bereitschaftspraxis im Klinikum Bad Reichenhall eröffnet. Sie ist Anlaufstelle für Patienten, die außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten medizinischer Hilfe bedürfen und kann ohne Voranmeldung aufgesucht werden. Unter der bayernweit gültigen Telefonnummer 116 117 werden die Patienten an die nächst gelegene Bereitschaftspraxis bzw. für einen Hausbesuch vermittelt. Insbesondere für die Patienten des südlichen und mittleren Landkreises sieht Dr. Wolfgang Krämer allerdings noch Verbesserungsbedarf, da die Praxis in Bad Reichenhall Montag, Dienstag und Donnerstag formal nicht geöffnet ist und Patienten über die Vermittlung nach Traunstein verwiesen werden. Allerdings ist durch die Kliniken jederzeit sichergestellt, dass alle Notfallpatienten medizinisch versorgt werden. Dr. Krämer hat diesen Punkt in der letzten Sitzung des Kreistages thematisiert. Landrat Georg Grabner hat zugesagt, sich dessen anzunehmen.

 

Michaela Kaniber betonte abschließend, dass man keinesfalls tatenlos zusehen werde, wenn in den nächsten Jahren mehr und mehr Hausarztpraxen geschlossen werden. „Auch wenn im Berchtesgadener Land die Versorgung momentan noch gegeben ist: Wir müssen rechtzeitig Weichen stellen und gemeinsam handeln."