Kluge Köpfe in Bayern halten

Für eine Revolution im Parkhaus sorgen Roboter aus Oberbayern. Michaela Kaniber war zu Besuch bei zwei Jungunternehmern, die beweisen, dass Innovation bei uns möglich ist - allerdings vom Freistaat viel besser unterstützt werden muss.

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Michaela Kaniber im Gespräch mit Rupert Koch (links) und Leopold Meirer.

 

Idealismus, Durchhaltevermögen und eine gute Idee: Damit ist Innovation möglich. Und die kann auch mit so lapidaren Dingen wie dem Parken eines Autos zu tun haben. Rupert Koch und Leopold Meirer haben sich öfters über die Parkbedingungen an Flughäfen ärgern müssen und dann beschlossen: „Wir überlassen das Parken einem Roboter." In der Nachbarschaft von CSU-Landtagsabgeordneter Michaela Kaniber in Bayerisch Gmain gründeten der Maschinenbauer und der Automatisierungstechniker 2010 ihr Unternehmen „Serva Transport Systems". Beide entwickelten eine Technologie, die Parkraum optimal nutzt und parken somit einfach, effizient, sicher und bequem macht.

Computergesteuerter Gabelstapler parkt ein

„Ray" ist der weltweit erste frei bewegliche Parkroboter. Im Flughafen Düsseldorf kommen die Autofahrer bereits in seinen Genuss: Sie stellen ihren Wagen am Parkhaus ab, ein Laser erfasst die Maße des Autos und Ray rückt an, eine Art überdimensionaler Gabelstapler. Er schiebt sich unter die Reifen des Fahrzeugs und hebt es an. In der Zwischenzeit wählt der Computer einen Parkplatz aus, zu dem Ray das Auto bringt und abstellt. Kehrt der Besitzer zurück, hat Ray den Wagen schon wieder ausgeparkt und der Fahrer braucht nur noch einzusteigen.

Erster Kunde: Flughafen Düsseldorf

Sieben Jahre ist die Firmengründung her. Koch und Meirer erzählen von einer harten Anfangsphase. Möglich gewesen sei sie nur dank eines Investors, der die Entwicklung des Roboters finanzierte. Es habe Zeiten gegeben, da zweifelten die Geschäftspartner. Eine unbekannte Firma, die keine Zusammenarbeit mit großen Unternehmen vorzuweisen hat? Erst als der Düsseldorfer Flughafen - je zur Hälfte in privater und kommunaler Hand - den ersten Parkroboter orderte, nahm man die Serva Transport Systems GmbH ernst - und deren Geschäft Fahrt auf. „Wir sind froh, dass man dort offen für Innovation ist. Man braucht eine erste Referenz", sagt Rupert Koch. Der Flughafenbetreiber hat seine Zusammenarbeit unlängst intensiviert. „Ray" und seine Erfinder wurden zwischenzeitlich mit Preisen überhäuft. Und mittlerweile gehört auch Audi zu den wichtigsten Kunden. Im Stammwerk in Ingolstadt transportieren zwölf Serva-Roboter bis zu 2000 Autos täglich zur Verladung auf Bahnwaggons. Der Verband der Automobilindustrie zeichnete Audi für das System der Zukunft jüngst sogar mit dem Logistik Award 2017 aus.

Ausland hat mehr Interesse

Jetzt führen Rupert Koch und Leopold Meirer regelmäßig Betreiber von Flughäfen, Autovermietungen und Automobilhersteller durch ihren Showroom in Grabenstätt am Chiemsee. In der Regel sind es internationale Interessenten, was Michaela Kaniber stutzen lässt. Denn obwohl Bayern über zukunftsweisende Technik verfügt, nutzt sie der Freistaat selbst nicht: „Wenn es um Hightech-Entwicklungen geht, ist immer nur die Rede vom internationalen Markt, von Kunden aus den USA und China. Dabei müssen Referenzen doch auch im öffentlichen Raum in Bayern machbar sein." Für Koch und Meirer läuft der Freistaat Gefahr, bei Zukunftstechnologien den Anschluss zu versäumen. „Maschinen sollen uns das Leben leichter machen", sagen die Unternehmer. „Junge Leute wollen Zukunftstechnologien nutzen und in diesem Bereich auch arbeiten." Die beiden sind der Auffassung, dass andere Länder viel mehr für Innovationen übrig haben. „In Bayern hat es den Anschein, als ob man sich immer noch auf den Errungenschaften der Strauß-Ära ausruht."

Freistaat muss ehrlich unterstützen

Für die Roboter-Erfinder kommt Ausruhen nicht in Frage. Aktuell hat ihr Unternehmen mit VW eine Technologie entwickelt, die Autos via Bluetooth mit dem Parkcomputer kommunizieren lässt. Die Erfindung soll bald schon serienmäßig in allen Volkswagen verfügbar sein und Parkhäuser der Zukunft möglich machen. Und dann gesellt sich zu „Ray" noch „Eve": Das autonome Transportfahrzeug ersetzt Gabelstapler und Routenzüge. Der Roboter bewegt selbständig Euro-Paletten und Gitterboxen, macht schweres Heben überflüssig und kann somit den gesamten Materialtransport in einem Werk übernehmen - und das ist erst der Anfang. Für Michaela Kaniber ein klarer Beweis, dass Innovation in Bayern durchaus möglich ist. Sie fordert zum Handeln auf: „Wir müssen Start-ups ehrlich unterstützen und nicht immer nur davon reden. Der weitere Breitbandausbau geht in die richtige Richtung. Aber das alleine wird nicht reichen. Wir müssen uns auch trauen, bei staatlichen und kommunalen Projekten jungen Erfindern Plattformen anzubieten. Nur so können wir kluge Köpfe in Bayern halten."