"Bayern beständig voranbringen" 

Michaela Kaniber ist Stimmkreisabgeordnete für das Berchtesgadener Land und den Rupertiwinkel, CSU-Kreisvorsitzende und Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Im Interview spricht die 41-Jährige über Bayerns Zukunft, die Erfolge der CSU und ihre Vorliebe für Tracht.
 
Frau Kaniber, warum verzichtet die CSU zur Landtagswahl 2018 auf ein Wahlprogramm?
Weil wir stattdessen ein Regierungsprogramm haben. Die Bayerische Staatsregierung hat es im vergangenen halben Jahr unter Ministerpräsident Dr. Markus Söder aufgestellt und verwirklicht. Das hat es so noch nicht gegeben, dass die Wahlversprechen schon vor der Wahl in die Tat umgesetzt worden sind.
 
Sie betonen stets, dass der ländliche Raum in Zukunft eine Schlüsselrolle einnehmen wird. Warum?
Weil unsere Bevölkerung wächst – die Großstädte platzen aus allen Nähten: Wo sollen die Leute denn hin? Der ländliche Raum wird in Zukunft im Fokus stehen. Darauf reagieren wir, indem wir leerstehende Gebäude wieder nutzbar machen und auch gezielt bezahlbaren Wohnraum schaffen. Aber klar ist auch: Wenn die Menschen in den ländlichen Raum kommen, muss die Grundversorgungsstruktur stimmen. Unter dem Motto „Heimatunternehmen“ unterstützen wir Metzger, Bäcker und Dorfwirtschaften. Damit schaffen wir Anreize für die Wirtschaft und Lebensqualität. Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen war und ist mir immer schon wichtig.  Dafür habe ich mich auch in der Enquete-Kommission des Bayerischen Landtags stark gemacht.
 
Wie sieht es mit den Familien aus? Die Kinderbetreuung stellt viele Eltern vor Herausforderungen.
Da greift ihnen die bayerische Staatsregierung unter die Arme: Mit dem Bayerischen Familiengeld ermöglichen wir den Eltern Wahlfreiheit: Ein Großteil der bayerischen Eltern haben sich klar gegen einen kostenlosen Kindergartenplatz ausgesprochen: Ihnen geht die Qualität vor. Die CSU sieht das genauso: Wir wollen nicht diejenigen einseitig bevorteilen, die ihre Kinder in eine Betreuungseinrichtung geben und die ­Mütter und Väter, die für sie zuhause bleiben, ­bestrafen. Eltern wissen selbst am besten, was für ihre Kinder gut ist.
 
Sie haben sich als Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen Schwerpunkt gesetzt: Sie wollen, dass Landwirten mehr Wertschätzung entgegengebracht wird. Warum ist Ihnen das ein so wichtiges Anliegen?
Keine andere Bevölkerungsgruppe wird derart pauschal unter Generalverdacht gestellt, wenn es um Themen wie Umwelt-, Tier- und Klimaschutz geht. Manchmal wird geradezu so getan, als würden den Landwirten ihr Grund und Boden und ihre Tiere gleichgültig sein. Dabei ist das Gegenteil der Fall! Tierwohl, Umweltschutz und Klimaschutz kann man nicht zum Nulltarif haben. Die Gesellschaft muss umdenken: Wieviele haben daheim einen teuren Grill stehen, kaufen aber das Grillfleisch abgepackt beim Discounter? Wir haben da einen Denkfehler: Man kann nicht gleichzeitig Umweltschutz einfordern und für 100 Euro durch die halbe Welt fliegen wollen. Unsere Bauern leisten großartige Arbeit für unser Land. Die Kleinstrukturiertheit müssen wir unbedingt erhalten. Ohne sie könnten wir unser Bayern nicht bewahren – weder in seinen Traditionen, in seiner Kultur, noch in seiner Kulturlandschaft. Klar ist: Wenn es den Landwirten gut geht, geht es Bayern gut.
 
Nennen Sie uns ein Beispiel?
Bayern tut viel für Artenvielfalt, so ist zum Beispiel unser Kulturlandschaftsprogramm das weitaus finanzstärkste Agrarumweltprogramm Deutschlands. Damit schaffen wir Anreize für die Landwirte, besonders umweltverträglich zu wirtschaften. Wir fördern unter anderem die Anlage und Pflege von Blühflächen, von Hecken und Streuobstbeständen, aber auch die Bio-Landwirtschaft, bei der Bayern führend ist. Anfang September hat das Kabinett auf meine ­Initiative hin das Engagement in Sachen Biodiversität zusätzlich ausgeweitet. So schaffen wir gemeinsam mit Landwirten, Imkern, Jägern und Naturschützern wertvolle ­Lebensräume und Biotope für Wildtiere und Insekten. Unsere Wissenschaftler forschen mit Nachdruck an blühenden Energiepflanzen als Alternative zum Mais. Erste Erfolge verzeichnen wir bei den Bienenvölkern, deren Zahl in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Das dient den Bedürfnissen von Landwirten und Verbrauchern gleichermaßen. Hier zeigt sich, dass der Anspruch stimmt: Handeln statt Ankündigen.
 
Wie kommen solche Erklärungen an?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf ausführliche Erklärungen auch Verständnis folgt. Viele Themen sind nun mal sehr komplex. Oberflächliche Diskussionen bringen uns da nicht weiter. Es braucht mehr Fachwissen und weniger Emotion.

Ein generelles Problem heutzutage?
Das konnten wir in der Vergangenheit ja immer wieder beobachten. Wir befinden uns in einer digitalen Zeit, in der jeder Zugang zu Informationen hat. Das ist Fluch und Segen zugleich: Jeder kann seine Meinung kundtun. Das geht gerade auch in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter schnell und einfach. Nur kommt diese Posts ungefiltert und ungeprüft beim Leser an – ob sie nun richtig, wichtig oder falsch sind. Leider machen sich viele nicht die Mühe, Themen zu hinterfragen oder aus mehreren Gesichtspunkten zu betrachten. Sie schreien Fake-News, anstatt einen womöglich komplizierten Sachverhalt zu durchdenken.

Wann werden Sie denn selbst emotional?
Wenn es um den Grund meines Engagements geht, meine Heimat. Meine Eltern kamen Anfang der 70er-Jahre als kroatische Gastarbeiter nach Bayern. Meine Familie ist mein größtes Korrektiv, sie treibt mich an: „Denk dran, Bayern ist unsere Heimat. Gib das Beste für dieses Land.“ Genau das tue ich nach Kräften. Bayern hat meiner Familie alle Möglichkeiten eröffnet. Deswegen werde ich für Bayern alles geben, damit wir auch weiterhin so stark sind, wie wir es heute sind.
Welche Fragen stellen Ihnen die Leute häufig, die nichts mit Politik zu tun haben?
Das sind zwei Dinge: Zum einen werde ich oft gefragt, wie ich neben der Politik noch Zeit für meine Familie habe. Einem Mann würde so eine Frage übrigens nie gestellt werden, da gilt es als selbstverständlich, dass er arbeiten geht. Ich muss gestehen: Mein Zeitmanagement klappt nicht immer. Umso mehr genieße ich es, wenn ich daheim bei meiner Familie sein kann. Diese Zeit nutzen wir dann gezielt und intensiv.

Und die zweite Frage?
Wo ich meine Dirndl kaufe. Mein Kleidungsstil ist offenbar für viele von größtem Interesse. Ich habe ein paar Läden im Berchtesgadener Land, die ich sehr mag. Ich sehe das Dirndlgwand als Ausdruck der Wertschätzung unserer Heimat gegenüber. Und mir gefällt es einfach. Ich fühle mich wohl  im Dirndl. In Tracht sind Mann und Frau einfach immer gut angezogen.
 
Sie sind zu Terminen im ganzen Freistaat unterwegs. Das ist stressig. Hand aufs Herz: Was treibt Sie an?
Das lässt sich kurz und knapp erklären: Ich liebe Bayern. Es ist eine große Ehre, so einen wunderbaren Stimmkreis zu vertreten und sogar einen so bedeutenden Bereich wie Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Es setzt mich unter einen positiven Druck, dass mir unser Ministerpräsident dieses Amt übertragen hat. Ich darf aktiv mitgestalten, damit Bayern auch in Zukunft ­Agrarland Nummer 1 in Deutschland und Spitzenreiter mit Premiumprodukten in Europa bleibt. Das ist mir Verpflichtung und Auftrag zugleich.
 
Als Politikerin stehen Sie in der Öffentlichkeit. Welche Gerüchte um Ihre Person haben Sie denn in der Vergangenheit amüsiert?
Da gab es einige. Ich habe gelernt, über Gerüchte zu lachen, auch wenn es manchmal zum Kopfschütteln ist. Ich bin ein ­Familienmensch und liebe Kinder. Jedes Mal, wenn ich ein kleines Baby sehe, geht mir das Herz auf. Eine Redakteurin hat daraus die Überschrift „Sie hätte gern ein viertes Kind“ ­gemacht. Und dann haben viele vermutet, ich sei schwanger. Da musste ich schon schmunzeln.
 
Wie beziehen Sie die Bürger mit in Ihre Arbeit ein?
Ich suche in meiner politischen Arbeit immer den direkten Kontakt. In unzähligen Terminen treffe ich nicht nur Vertreter von Behörden und Verbänden. Ich besuche viele Familienbetriebe, Menschen, die sich durch bürgerschaftliches Engagement hervortun. Bürger, die klare Vorstellungen und zukunftsweisende Ideen haben. Das Pensum ist anstrengend, das gebe ich zu. Aber ich lasse da auch nicht locker: Es ist mir so wichtig, ganz nah bei den Menschen zu sein: Ihnen Wertschätzung entgegenzubringen, ihre Impulse aufzunehmen und sie in meine Arbeit einfließenzulassen. Nur so kann Politik funktionieren.
 
Ihr Stimmkreis Berchtesgadener Land-Rupertiwinkel liegt am äußersten Rand Bayerns. Welche Konsequenzen ergeben sich ­daraus?
In einem vereinten Europa liegen wir genau in der Mitte, der „bayerische Rand“ spielt da keine Rolle. Vielmehr gilt es, aus dieser Lage auch alle Vorteile zu ziehen: Ich setze mich vehement für einen Ausbau der A8 ein, deren Zustand ist indiskutabel. Wollen wir die Wirtschaft wirklich fördern, so müssen wir die nötige Infrastruktur herstellen und pflegen. Und das gilt besonders auch für die Gäste, die zu uns kommen. Unsere Region hat unfassbar viel zu bieten: Der Mix aus Landschaft und Kultur, die Lebensart und -qualität sind ziemlich einzigartig und schon jetzt bekannt und beliebt. Das wird sich verstärken, davon bin ich überzeugt. Deswegen ist mir der Themenkomplex Tourismus so wichtig. Denn hier zeigt sich wie kaum woanders: Kein Bereich steht für sich allein. Es sind die thematischen Verbindungen, die es zu erkennen und zu behandeln gilt.
 
Wo geht’s in Zukunft hin?
Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, damit Bayern seine Spitzenpositionen behält. Wir müssen Bayern beständig voranbringen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, problematische Bereiche gerechten und zukunftsfähigen Lösungen zuzuführen. Deswegen sage ich Allen: Gehen Sie zur Wahl. Und ich sage explizit dazu: Die CSU ist nicht perfekt, auch wir machen Fehler. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die CSU in den vergangenen 60 Jahren alles daran gesetzt hat, damit die Rahmenbedingungen immer gut bleiben. Wir wohnen in einem wirtschaftlich starken, sozialen und sicheren Bayern. Vielleicht sollen wir uns öfter darauf besinnen, wie gut es uns in Bayern geht und nicht immer darauf schielen, was wir gerade nicht haben.

Um was geht es bei dieser Wahl konkret? 

In ganz Europa – aber auch sehr deutlich in Deutschland – hat sich ein heftiger Drang zum Rechts- und Linkspopulismus entwickelt. Es gilt mehr als je zuvor, die Mitte zu stärken, um die Stabilität des erfolgreichsten Bundeslandes nicht zu gefährden. Die letzte Bundestagswahl hat sehr deutlich gezeigt, zu welchen Schwierigkeiten es bei der Regierungsbildung kommen kann. Bei allen Fehlern, die in der Politik gemacht werden, sind Wut- oder Protestwahlen das Letzte, was hilft. Wir müssen uns das viel mehr vor Augen halten. Wer mit einem radikalen Einzelthema hetzt, macht eben gerade KEINE Politik. Das Vermeiden klarer Positionen ist ein Offenbarungseid. Ich halte unsere Bürgerinnen und Bürger für klug genug, diese banale Inhaltslosigkeit zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten. Wir kämpfen für ein starkes Bayern, das Deutschland stark macht und damit Europa.

Was können die Bürgerinnen und Bürger tun?
Zur Wahl gehen! Das ist meine dringende Bitte an alle Wähler: Werben Sie für eine starke CSU! Nur diese Stärke aus Bayern heraus gibt uns die Kraft, im Bund und in Europa stark zu sein. Der Garant dafür ist nur die CSU.