Molkereibesuch und Diskussion in Piding mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Spitzen der Branchenverbände bringen stellvertretend für die Bauernschaft ihre Gedanken vor

01.10.2018 | Piding
Die Vertreter der Landwirtschaft und der Molkerei mit den Ministerinnen: (von links) Gitti Leitenbacher, Georg Baumgartner, Maria Krammer, Josef Siglreithmayr, Andreas Argstatter, Michaela Kaniber, Julia Klöckner, Bernhard Pointner, Angela Maier, Gregor A
Die Vertreter der Landwirtschaft und der Molkerei mit den Ministerinnen: (von links) Gitti Leitenbacher, Georg Baumgartner, Maria Krammer, Josef Siglreithmayr, Andreas Argstatter, Michaela Kaniber, Julia Klöckner, Bernhard Pointner, Angela Maier, Gregor A

Mit Einblicken in eine der kleinsten aber modernsten Molkereien Deutschlands begann der Besuch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner im Berchtesgadener Land. Gemeinsam mit der Stimmkreisabgeordneten Michaela Kaniber, die als bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eng mit der Rheinländerin zusammenarbeitet, nahm sie die Einladung von Bernhard Pointner in die Molkerei Berchtesgadener Land nach Piding wahr.  

Klöckner zeigte großes Interesse daran, wie es die Molkerei schafft, sich am Markt zu behaupten. Der Geschäftsführer informierte die beiden Ministerinnen im Beisein einer Abordnung von Milcherzeugern, Vertretern des Bauernverbands Berchtesgadener Land und Traunstein und dem Verband landwirtschaftlicher Fachbildung über den strikten Kurs, den die Molkerei verfolgt: Nachhaltigkeit, Fairness und gesicherte Herkunft bilden die Eckpfeiler und stellen den Grund dar, warum die Marke vor allem bei der ganz jungen Generation punktet. Die Bundesministerin erkundigte sich nach den Lieferverträgen und erfuhr, dass es solche in der Genossenschaftsmolkerei gar nicht gibt: Die Milchbauern haben ihre Molkerei selbst in der Hand.
 
„Die Milchprodukte dieser Molkerei sind so gut, dass die Leute bereit sind, dafür mehr Geld zu zahlen“, erklärte Michaela Kaniber und vermittelte damit der Bundesministerin die Bedeutung der Bergbauernmilch für ihre Heimatregion. „Bei uns wachsen die Kinder mit dieser Milch auf. Die Bergbauernmilch ist sozusagen die Muttermilch des Berchtesgadener Landes. Die Marke ist uns vertraut, sie ist fair zu den Bauern, das führt zu dem hohen Beliebtheitsgrad.“ Dabei sei die Molkerei BGL schon immer Vorreiter und stets der Konkurrenz eine Nasenspitze voraus gewesen: etwa mit dem Verbot von Klärschlamm, Gentechnik und Glyphosat. Gerade habe die 4500. Bäuerin in der Molkerei einen Homöopathie-Kurs absolviert, so Pointner. Man setze auf Glas statt PET und entwickle umweltschonende Verpackungen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin zeigte sich beeindruckt von Pointners Ausführungen. „Ich komme ja in viele Molkereien, aber ich muss gestehen, was sie hier machen ist im positivsten Sinne ungewöhnlich.“ Durch Michaela Kaniber sei der Kontakt zur bayerischen Politik schon sehr gut, so Pointner. Klöckner schlug ihm einen ähnlichen Austausch auf Bundesebene vor.
 
Die anschließende Diskussion drehte sich um den Milchpreis. Kaniber und Klöckner gingen auf die aktuell gefestigte Situation ein. Die aufgrund der Trockenheit auftretende Futterknappheit stütze den Preis. Die Landwirte tauschten sich mit den Ministerinnen über ihre Erfahrungen aus; die Dürre habe demnach die Bauern im Berchtesgadener Land und Traunstein nicht in dem Umfang getroffen, wie in anderen Teilen Deutschlands. Beim Thema Vermarktung gab Kaniber einen Zukunftsausblick: Mit dem Weg, den Bayern in der Milcherzeugung verfolgt, habe man besten Chancen. „Wir wollen die Premium-Qualität in den Vordergrund stellen und dem Verbraucher klar machen, dass kleine und mittlere bayerische Betriebe hochwertige Nahrungsmittel produzieren.“

Das andere Extrem bereitet den Landwirten große Sorge: Billigpreise im Einzelhandel. Da rannten sie bei Klöckner offene Türen ein, denn Dumpingpreisen habe sie den Kampf angesagt. „Da wird schon auch Schind-luder getrieben, indem der Lebensmittelhandel im Prospekt auf der einen Seite mit Tierwohl wirbt und auf der nächsten Hähnchenschenkel zu 25 Cent anbietet. Wenn Sie solche Angebote sehen, schicken Sie mir das zu“, bat sie die Anwesenden. „Das gehört rigoros an den Pranger gestellt.“ 
 
Zu schaffen macht den Bauern die grundlegende Debatte über die Tierhaltung, die in der Öffentlichkeit geführt wird. Landtagsabgeordneter Markus Fröschl – selbst Schweinehalter – sprach von überzogenen Forderungen. „Es macht fast den Anschein, dass irgendwann verlangt wird, die Kühe müssen Familienanschluss haben und im Wohnzimmer stehen.“ Die Debatte bezeichnet Klöckner als verlogen, denn wer absolutes Tierwohl fordere, gefährde damit nicht nur die flächendeckende, bäuerliche Landwirtschaft, sondern lasse es auch zu, Fleisch aus dem Ausland zu importieren – wo deutlich niedrigere Maßstäbe an das Tierwohl gesetzt werden, als hierzulande.
Kaniber sprach Pläne für den Stall der Zukunft an, die sie mit Hilfe von Julia Klöckners Digitialisierungsoffensive in Bayern realisieren möchte. „Grundsätzlich müssen wir die Förderung überdenken“, so Kaniber. „Investitionen in immer größere Ställe können unmöglich der richtige Weg sein. Wir müssen unsere Landwirte bei von der Bevölkerung geforderten Gedanken wie Tierwohl besser unterstützen und ihnen damit auch bei der Umstellung von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung unter die Arme greifen.“
 
Was die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe angeht, so beteuerten die Ministerinnen ihren uneingeschränkten Rückhalt: Der permanente Generalverdacht, dem sich die Bauern ausgesetzt sehen, müsse endlich aufhören. Die Tatsache, dass immer mehr Organisationen ohne wissenschaftliche Grundlage Studien in Auftrag geben und veröffentlichen, verschlimmere die Lage. „Die ständigen Vorwürfe verursachen Stress und Wut und nachweislich psychische Probleme“, so Gitti Leitenbacher. Klöckner ermutigte die Anwesenden, sich von NGOs nicht treiben zu lassen, selbstbewusst die Stimme zu erheben und auf Kritik zu reagieren. Kreisbäuerin Maria Krammer machte in dem Zusammenhang auf das Engagement der Landfrauen aufmerksam, Schulklassen und Kindergartengruppen über ihre Arbeit zu informieren. Der Vorschlag, jede Schulklasse müsse einmal im Jahr einen Bauernhof besuchen, stieß bei den Ministerinnen auf Gegenliebe. Mit Begeisterung unterstütze sie im Ministerium die Projekte „Landfrauen machen Schule“, Erlebnisbauernhof“ und den „Tag des offenen Hofes“, so Kaniber. „Damit wird das Verbraucherbewusstsein wieder geweckt und somit auch die Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte gestärkt.“ Klöckner meinte abschließend. „Wir müssen Modernität und Tradition zusammenbekommen und den jungen Leuten vermitteln, dass Landwirt ein cooler Beruf ist.“